Der Abschied kam leise, aber er wirkt nach. Früh am Donnerstagmorgen ließ das Bezirksamt Altona die drei Damhirsche aus dem Gehege im Hirschpark betäuben, verladen und in das rund 20 Kilometer entfernte Wildgehege Klövensteen transportieren. Der Umzug verlief nach Angaben der Behörde ohne Komplikationen.

Im Klövensteen – einem weitläufigen Waldgebiet im Hamburger Westen mit großflächigen Wildanlagen – stehen den Tieren künftig rund sechs Hektar Rotwildareal zur Verfügung. Zum Schutz vor Verletzungen wurde den Hirschen vor dem Transport vorschriftsgemäß das Geweih abgenommen. Bis zur vollständigen Erholung von der Narkose bleiben sie zunächst in einem abgetrennten Bereich unter tierärztlicher Aufsicht. Sobald ein neues Geweih gebildet ist, sollen sie in die bestehende Damwildgruppe integriert werden.

Das Bezirksamt begründete den Schritt mit tierschutzrechtlichen Anforderungen. Eine artgerechte Haltung sei im Hirschpark zuletzt nicht mehr sicherzustellen gewesen. Details zu den konkreten Defiziten nennt die Verwaltung bislang nur allgemein.

Das Damwildgehege in Nienstedten existierte seit Jahrzehnten und galt vielen Anwohnern als identitätsstiftender Bestandteil des Parks. In den vergangenen Jahren waren jedoch wiederholt Fragen zur Genehmigungsfähigkeit, zur Bestandsstruktur – es wurden ausschließlich männliche Tiere gehalten – sowie zu baulichen Anpassungen aufgeworfen worden.

Die Entscheidung hat politischen Widerstand ausgelöst. Am Blankeneser Markt sammelten Vertreter der FDP-Fraktion Altona gemeinsam mit dem Bürgerverein Blankenese und dem Verein „Freunde des Hirschparks“ binnen weniger als zwei Stunden 250 Unterschriften gegen die Schließung.

Kritisiert werden vor allem mangelnde Transparenz und eine aus Sicht der Initiatoren unzureichende Prüfung von Alternativen. Die FDP kündigte an, die Unterschriften im Rahmen der Bezirksversammlung an Bezirksamtsleiter Dr. Sebastian Kloth zu übergeben.

Parallel dazu beantragte die FDP-Fraktion gemäß Bezirksverwaltungsgesetz umfassende Akteneinsicht in sämtliche Verwaltungsvorgänge zum Damwildgatter – von der Genehmigungs- und Rechtslage seit 2010 über tierärztliche Stellungnahmen bis hin zu Bau- und Sanierungskosten der vergangenen Jahre.

Gefordert werden unter anderem Unterlagen zu fachlichen Bewertungen durch Institutionen wie die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT), die Bundestierärztekammer sowie den Zoo- und Wildgehegeverband.

Auch die zeitliche Abfolge der Entscheidungsprozesse soll offengelegt werden. Nach Angaben aus Fraktionskreisen will die Grünen-Fraktion dem Antrag zustimmen, weitere Fraktionen könnten heute Abend in der Bezirksversammlung folgen.

Politische Debatte im »weißen Rathaus«

Im Bezirksamt Altona ist die Debatte längst angekommen. Während die Verwaltung den Umzug als konsequente Umsetzung fachlicher Bewertungen darstellt, sehen Kritiker einen Einschnitt in gewachsene Stadtteilstrukturen.

Offen bleibt vorerst, wie das frei gewordene Gehege im Hirschpark künftig genutzt wird. Das Bezirksamt kündigte an, die weitere Planung eng mit Politik und Fachbehörden abzustimmen. Die Grüne Fraktion bringt heute Abend einen Antrag ein, der die Fläche als Spielplatz zu erweitern und mit einem hölzernen Riesenhirsch zum Klettern, mit modernen Wippen und Schaukeln, mit Hüpfmatten und Buddelsand einladend umzugestalten.

Für die drei Hirsche ist die Entscheidung gefallen. Für die Bezirkspolitik beginnt die eigentliche Auseinandersetzung erst jetzt.