Beim SC Nienstedten geht es längst nicht mehr nur um einen neuen Fußballplatz. Was auf der Anlage des traditionsreichen Vereins im Hamburger Westen geplant wird, soll Modellcharakter haben – sportlich, ökologisch und gesellschaftlich. Der SCN will seinen in die Jahre gekommenen Kunstrasenplatz durch eine moderne, infillfreie Spielfläche ersetzen und setzt dabei bewusst auf eine Technologie, die im Sportanlagenbau als besonders nachhaltig und sicher gilt.
Die Sanierung ist dringend notwendig. Der bestehende Kunstrasen hat seine Lebensdauer längst erreicht. Große Risse an den Nahtstellen, beschädigte Bereiche im Strafraum und rund um den Elfmeterpunkt zeigen deutlich, wie stark der Platz beansprucht wird. Gerade im Jugendbereich gehört der SCN zu den aktivsten und erfolgreichsten Vereinen im Hamburger Westen. Entsprechend hoch ist die Belastung der Anlage – durch Vereinsfußball, Schulsport und weitere Angebote für Kinder und Jugendliche.
Dabei blickt der Verein bewusst über eine klassische Standardlösung hinaus. Geplant ist ein Kunstrasen ohne Verfüllung. Im Unterschied zu herkömmlichen Systemen benötigt dieser keinen zusätzlichen Kunststoffgranulat oder Kork und auch keinen Sand als Einfüllstoff. Genau darin sehen die Verantwortlichen große Vorteile.
„Wir haben uns zahlreiche Anlagen angesehen – in Hamburg, im Umland und auch bei Auswärtsspielen“, sagt Vereinsvize Ferdinand Paetzold. „Uns war wichtig herauszufinden, welcher Belag sich für Kinder und Jugendliche wirklich am besten eignet. Der neue Rasen fühlt sich natürlicher an, reduziert das Risiko von Verbrennungen bei Stürzen und ist gleichzeitig gelenkschonender.“
Tatsächlich funktioniert klassischer Kunstrasen technisch nur mit sogenanntem Infill-Material. Dabei handelt es sich meist um Sand und Korkgranulat, das in aufwändiger Platzpflege zwischen die Kunstrasenfasern eingebracht wird. Der Sand stabilisiert die Fasern und sorgt dafür, dass der Belag elastisch bleibt und Belastungen besser verteilt werden. Gleichzeitig entsteht jedoch Abrieb – und damit Mikroplastik.
Gerade im Jugendfußball ist das ein Problem. Kleine Kunststoffpartikel bleiben an Schuhen, Kleidung und Taschen haften und gelangen später über das Waschen in den Wasserkreislauf. Bei feuchtem Wetter verschärft sich der Effekt: Der Belag beginnt zu schmieren, Partikel lösen sich leichter und verteilen sich auf Kleidung und in die Umwelt.
Der neue infillfreie Belag soll genau das vermeiden. Moderne Systeme wie der beim Eimsbütteler TV bereits eingesetzte „Pure PT“-Rasen verzichten loses Material zur Verfüllung. Gleichzeitig lassen sich solche Plätze am Ende ihrer Nutzungsdauer besser recyceln. Herkömmlicher Kunstrasen gilt bislang als problematisch, weil Kunststofffasern und Füllstoffe nur mit großem Aufwand voneinander getrennt werden können.
„Wir wollten nicht einfach irgendeinen Kunstrasen kaufen“, erläutert Paetzold. „Wir wollten einen Platz, der den Anforderungen der nächsten fünfzehn Jahre gerecht wird – sportlich und ökologisch.“
Auch für den Winterbetrieb bietet der neue Belag Vorteile: Anders als Naturrasen oder frühere Grandplätze kann die Fläche auch bei Schnee und Eis geräumt werden. Das bedeutet weniger Spielausfälle und mehr Trainingsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche.
Matthias Onken, beim SCN verantwortlich für Kommunikation, sieht darin weit mehr als ein Bauprojekt. „Der Platz ist auch außerhalb der Trainings- und Spielzeiten ein sozialer Treffpunkt für unsere mehr als 450 aktiven Kinder und Jugendlichen. Die kommen aus dem ganzen Bezirk und darüber hinaus – von Ottensen bis Rissen, von Lurup bis Finkenwerder. Wir wollen ihnen ganzjährig optimale Bedingungen bieten.“
Weil die innovative Bauweise deutlich teurer ist als eine herkömmliche Sanierung, muss der Verein allerdings erhebliche Eigenmittel aufbringen. Rund 150.000 Euro zusätzlich sollen über Sponsoren, Spenden und Unterstützer finanziert werden. Dafür hat der SCN unter anderem einen sogenannten „Supporters Club“ aufgebaut.
„Viele Eltern und Freunde des Vereins fragen seit Jahren, wie sie sich stärker einbringen können“, sagt Onken. „Mit dem Supporters Club schaffen wir die Möglichkeit, den Jugendfußball ganz konkret zu unterstützen – transparent, nachhaltig und mit direktem Nutzen für die Kinder.“
Politisch erhält das Pionierprojekt ebenfalls Rückenwind. Ein Antrag der CDU zur Ermöglichung einer Co-Finanzierung der Platzsanierung durch Verein und Stadt wird breit unterstützt. „Das Bezirksamt Altona will mit uns eine Vereinbarung schließen, um das Vorhaben schnell zu realisieren“, bestätigt Onken. Der Verein verpflichtet sich, mindestens zehn Jahre lang keine zusätzlichen öffentlichen Mittel für eine erneute Sanierung zu beantragen, falls die neue Technologie früher verschleißen sollte.
Damit könnte das Projekt tatsächlich Vorbildcharakter bekommen – nicht nur für den Bezirk Altona, sondern auch darüber hinaus.
Die Bauarbeiten sollen in den Sommerferien erfolgen. Für den SC Nienstedten geht es dabei um weit mehr als einen neuen Belag. Es geht um die Frage, wie moderner Jugendfußball künftig aussehen soll: leistungsorientiert, nachhaltig und möglichst verantwortungsvoll gegenüber Umwelt und Gesundheit.
Für eine breite finanzielle Unterstützung des Projekts „Zukunftsrasen“ startet der Verein eine Fundraising-Kampagne. Mehr Infos dazu im Netz.




















