Mit einer Trauerfeier auf dem Altonaer Friedhof haben Angehörige, Wegbegleiter und Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes Abschied von Richard Bagan genommen. Der langjährige Leiter der Fahrradwerkstatt im DRK-Zentrum Osdorfer Born starb am 24. Februar 2026 im Alter von 93 Jahren.

Bagan war im Stadtteil weit mehr als nur ein Handwerker. Über viele Jahre hinweg – insbesondere zwischen 1999 und 2008 – engagierte sich der gelernte Flugzeugmechaniker nahezu täglich ehrenamtlich für die Menschen vor Ort. In der Werkstatt des DRK brachte er unzählige Fahrräder wieder in Schuss und ermöglichte es vielen Bewohnern, mobil zu bleiben – oft zu Preisen, die weit unter dem üblichen Niveau lagen.

Seine berufliche Laufbahn hatte Bagan bei Airbus in Finkenwerder verbracht, wo er 35 Jahre tätig war, zuletzt als Prüfer. Nach seinem vorzeitigen Ruhestand im Jahr 1994 fand er im Ehrenamt eine neue Aufgabe – und offenbar auch seine Berufung. Was zunächst mit Skepsis begann, entwickelte sich schnell zu einem Lebensmittelpunkt: Die Werkstatt am Bornheide wurde für ihn zur „zweiten Heimat“.

Dort herrschte eine Atmosphäre aus Ölgeruch, Werkzeugklirren und gelebter Nachbarschaft. Ordnung war Bagans Prinzip: Werkzeuge hingen sorgfältig sortiert an der Wand, Ersatzteile waren beschriftet und griffbereit. Seine Arbeitsweise war präzise, sein Anspruch hoch. „Man sollte nicht denken, dass ein Fahrradmechaniker einfache Arbeit leistet“, hatte er einmal betont – ein Satz, der seine Haltung gut widerspiegelt.

Doch es war nicht nur seine fachliche Kompetenz, die ihn auszeichnete. Bagan galt als humorvoller Erzähler, der mit Anekdoten aus seinem Leben unterhielt. Für die Kinder im Stadtteil schlüpfte er zur Weihnachtszeit sogar in die Rolle des Weihnachtsmanns. Sein Engagement reichte damit weit über die Werkbank hinaus.

Die Bedeutung seiner Arbeit zeigte sich auch in der Nachfrage: Nachdem der letzte Fahrradladen aus dem Viertel verschwunden war, entwickelte sich die DRK-Werkstatt zu einer wichtigen Anlaufstelle – nicht nur für Anwohner, sondern für Menschen aus ganz Hamburg. Wartezeiten von mehreren Wochen im Sommer waren keine Seltenheit.

Dabei blieb Bagan stets bescheiden. Für Reparaturen berechnete er lediglich Materialkosten, seine Arbeitszeit stellte er nie in Rechnung. Die Differenz kam vollständig dem Roten Kreuz zugute. Dieses Prinzip machte seine Arbeit nicht nur sozial wertvoll, sondern auch nachhaltig für die Einrichtung.

Mit seinem Tod verliert der Osdorfer Born eine prägende Persönlichkeit. Viele Erinnerungen bleiben – etwa an die von ihm selbst gebauten Weihnachtspyramiden, deren Kerzen auch künftig am Jahresende entzündet werden sollen. Sie stehen sinnbildlich für das, was Richard Bagan hinterlässt: Wärme, Beständigkeit und ein tiefes Gefühl von Gemeinschaft.