Der Frühling und Frühsommer haben dem Wildgehege eine beeindruckende Anzahl an Tierkindern beschert. Besonders beim Rotwild gibt es viel zu entdecken: Gleich 14 Kälber staksen hier neugierig durch das hohe Gras. Auch die Herde des Damwilds erfreut sich über fünf Jungtiere, wobei drei von ihnen eine absolute Besonderheit darstellen – sie haben ein komplett schwarzes Fell. Abgerundet wird das idyllische Bild von vier kleinen Rehkälbchen und unzähligen Frischlingen bei den Wildschweinen, die bereits etwas älter und entsprechend wilder unterwegs sind.

Die kleinen Waldbewohner wachsen wohlbehütet im Verband ihrer jeweiligen Herden oder Rotten auf. In den ersten Lebenswochen bleiben die Jungtiere extrem eng bei ihren Müttern. Die Einbindung in die Gruppe ist entscheidend, damit die Tiere das komplexe Sozialverhalten ihrer Artgenossen von Beginn an spielerisch erlernen. Gerade bei den Rehkälbchen ist für interessierte Beobachter nun Eile geboten: Schon ab der vierten Lebenswoche beginnen sie, ihre charakteristischen weißen Punkte – die sogenannten Kitzflecken – zu verlieren. Diese Flecken, die als natürliche Tarnung vor Feinden dienen, verblassen in den kommenden Wochen zunehmend und verschwinden im Herbst nach dem Wechsel zum dichteren Winterfell vollständig.

Was aber passiert langfristig mit den unzähligen Neuzugängen? Ein Teil der Tiere bleibt dauerhaft im Gehege, um die bestehenden Herden auf natürliche Weise zu verjüngen und den Bestand vor Ort zu sichern. Da der Platz im Forst jedoch begrenzt ist, können nicht alle Jungtiere bleiben. Viele von ihnen werden herangewachsen an andere Wildparks oder zoologische Einrichtungen abgegeben. Diese tierischen Umzüge werden systematisch koordiniert, um deutschlandweit einer Inzucht vorzubeugen und den genetischen Austausch zu fördern. Zudem werden in Klövensteen geborene Jungtiere häufig wichtigen Zuchtprogrammen zur Verfügung gestellt.

Um den Tieren eine naturnahe und stressfreie Entwicklung zu garantieren, haben die Pfleger an alle Besucher eine dringende Bitte: Bitte die Tiere nicht füttern oder streicheln, sondern möglichst nur beobachten. Jeder direkte Kontakt oder Fütterungsversuch, selbst mit mitgebrachten Leckereien, stört das natürliche Verhalten der Herde empfindlich und kann zu schweren Verdauungsproblemen bei den Jungtieren führen. Wer stattdessen ruhig an den Zäunen stehenbleibt, fördert die natürlichen Instinkte des angeborenen Wildtierverhaltens – und wird meist ohnehin mit den schönsten Einblicken belohnt.