Gerade wird im sogenannten Rissener Canyon unter Hochdruck gearbeitet. Auf der B431 läuft zwischen dem Sülldorfer Brooksweg und der Wedeler Landstraße noch die Sanierung der Binder- und Deckschicht. Wenn nach wochenlangen Behinderungen am 6. Juli planmäßig die ersehnte Fertigstellung ansteht, dürfen Autofahrer allerdings nur kurz aufatmen. Zwar soll auch der Sülldorfer Kirchenweg in den nächsten Wochen wieder vollständig für den Verkehr freigegeben und die Fahrt in den äußersten Westen endlich schlaglochfrei werden. Doch in der Baustellen-Saison gilt offenbar die Regel: Wo der eine Stau endet, beginnt verlässlich der nächste.
Pünktlich am 6. Juli ziehen die Bautrupps weiter und knöpfen sich in einem Zug bis voraussichtlich 26. Juli die Wedeler Landstraße zwischen Brünschentwiete und Adebarweg vor. Die Fahrbahn weist dort bereits seit Längerem massive Schäden und Versackungen auf – ein Aufschub ist laut Behörden schlicht nicht mehr möglich. Um die Bauzeit zu drücken, wird die Maßnahme komplett in die Sommerferien gelegt. So wird teilweise an Sonntagen und regulär jeden Samstag unter Ausnutzung des Tageslichts von 6 bis 22 Uhr gearbeitet. Für den Durchgangsverkehr hat das gravierende Folgen: Er wird großräumig umgeleitet. Autofahrer müssen über die Schenefelder Landstraße, Altonaer Chaussee, Wedeler Chaussee und Pinneberger Straße ausweichen. Lkw- und Busfahrer stehen vor einer zusätzlichen Hürde, denn die Bahnbrücke am Schulauer Moorweg ist für ihre Fahrzeuge aufgrund der niedrigen Durchfahrtshöhe gesperrt.
Die offizielle Linie des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) klingt derweil pragmatisch und beschwichtigend: Man verfolge das Ziel, die Bauzeiten möglichst kurz zu halten und die Einschränkungen für Anwohner und Verkehrsteilnehmer auf ein Minimum zu reduzieren. Entsprechend seien alle Großprojekte passgenau aufeinander abgestimmt.
Diese planerische Abstimmung bedeutet in der Praxis jedoch eine Kettenreaktion der Sperrungen. Direkt nach dem geplanten Abschluss der Arbeiten an der Wedeler Landstraße wandert der Engpass weiter in Richtung Stadt. Vom 27. Juli bis zum 21. August steht die Luruper Hauptstraße zwischen Wilsdorfallee und Gorch-Fock-Straße beziehungsweise Engelbrechtweg auf dem Sanierungsplan. Auch hier müssen akute Schäden und Unebenheiten der Fahrbahn beseitigt werden, um die allgemeine Verkehrssicherheit für die kommenden Jahre zu gewährleisten. Unter Beachtung des Lärmschutzes rücken die Arbeiter auch an diesem Nadelöhr an den Wochenenden an. Wer hier pendelt, muss sich auf starke Einschränkungen einstellen: Stadtauswärts wird für Autofahrer lediglich eine Einbahnstraße eingerichtet, stadteinwärts führt die großräumige Umleitung über Bornheide und den ohnehin stark belasteten Knotenpunkt Luruper Hauptstraße, Elbgaustraße und Rugenbarg. Selbst Fahrgäste des öffentlichen Nahverkehrs sind betroffen, da der Busverkehr über eine südliche Ausweichroute mit Ersatzhaltestellen umgeleitet wird, was die Fahrzeiten in Richtung Innenstadt deutlich verlängert.
Zu all dem gesellen sich beinahe schon traditionell die Dauerbrenner unter den verkehrspolitischen Sorgenkindern im Westen: Die Elbchaussee und die Knotenpunkte rund um die A7-Auffahrten Bahrenfeld und Othmarschen bleiben weiterhin neuralgische Punkte, an denen es zu den Stoßzeiten ohnehin kaum ein echtes Vorankommen gibt.
Ob die werbewirksam platzierte "optimale Abstimmung" der Bauleitpläne die Autofahrer wirklich tröstet, darf zumindest bezweifelt werden. Denn wenn sich die vertraute Staufalle einfach nur um vier Wochen verlängert und ein Stück weiter in Richtung Landesgrenze verlagert, schwindet auch bei den verständnisvollsten Bürgern die Geduld. Am Ende des Sommers wird Hamburgs Westen zwar über glattere Straßen verfügen – doch der Weg dorthin wird zum ultimativen Stresstest – und Sülldorfer Landstraße sowie Osdorfer Landstraße warten weiter auf Schlaglochfreiheit…



















