Das Wildgehege Klövensteen ist für viele Familien vor allem ein beliebtes Ausflugsziel. Tatsächlich steckt hinter dem rund 580 Hektar großen Forstgebiet in Rissen aber weit mehr. Gemeinsam mit der Waldschule hat sich das Wildgehege zu einem wichtigen Zentrum für Umweltbildung entwickelt. Schulklassen, Kindergärten, Familien und Naturinteressierte können hier Natur hautnah erleben und ökologische Zusammenhänge direkt vor Ort kennenlernen.

Die Waldschule, die seit 2008 besteht, bietet kostenlose Lerneinheiten für Schulklassen aller Jahrgangsstufen an. Hinzu kommen Rallyes, Naturspiele, geführte Ausflüge und Kindergeburtstage. Ziel ist es, Menschen jeden Alters für den verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Umwelt zu sensibilisieren. Das Konzept orientiert sich an den Grundsätzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung und setzt bewusst auf praktische Erfahrungen statt trockener Theorie.

Auch in diesem Jahr wird das Angebot weiter ausgebaut. So stehen regelmäßig Vogelführungen auf dem Programm, bei denen Teilnehmer die heimische Vogelwelt kennenlernen. Neue Formate wie Nature Journaling oder Umweltaktionen im Rahmen der Hamburg Sustainability Week sollen zusätzliche Zielgruppen ansprechen und Naturerlebnisse mit Bildung verbinden. Viele dieser Veranstaltungen werden kostenlos angeboten.

Dass die Bildungsarbeit im Klövensteen zunehmend Aufmerksamkeit erhält, zeigt auch die Entwicklung der Teilnehmerzahlen. Nach Angaben des Bezirksamts Altona stiegen die Buchungen für Ausflüge von 272 Teilnehmern im Jahr 2018 auf 796 im Jahr 2025. Bei den Kindergeburtstagen erhöhte sich die Zahl im gleichen Zeitraum von 398 auf mehr als 1.000 Teilnehmer. Die Nachfrage nach Naturerlebnissen und Umweltbildung wächst also deutlich.

Gleichzeitig hat sich eine Debatte entwickelt, die inzwischen weit über einzelne Veranstaltungen hinausgeht. Auslöser ist das neue Angebot „Rothirsche exklusiv erleben“, das am 11. Juli stattfinden soll. Teilnehmer erhalten dabei die Möglichkeit, Rotwild gemeinsam mit Fachleuten aus nächster Nähe kennenzulernen. Anders als viele andere Bildungsangebote ist diese Veranstaltung jedoch kostenpflichtig.

Kritik kommt von der Initiative NaturErleben Klövensteen. Sie sieht darin einen möglichen Einstieg in die Kommerzialisierung des Wildgeheges. Nach Auffassung der Initiative widerspricht ein kostenpflichtiges Naturerlebnis dem Zukunftskonzept, das von Politik und Bürgerinitiativen gemeinsam entwickelt wurde. Dieses sieht ausdrücklich vor, Umweltbildung und Naturerleben auszubauen und möglichst kostenfrei zugänglich zu machen. Das Wildgehege solle sich bewusst von kommerziellen Wildparks unterscheiden und als öffentlicher Lernort allen Menschen offenstehen.

Besonders kritisch bewertet die Initiative die sozialen Folgen. Für Familien könnten bei einzelnen Veranstaltungen schnell Kosten entstehen, die eine Teilnahme erschweren. Gerade Kinder aus einkommensschwächeren Haushalten dürften jedoch nicht vom Naturerleben ausgeschlossen werden, argumentieren die Kritiker.

Die Antworten des Bezirksamts Altona auf eine Anfrage der FDP-Bezirksfraktion zeigen, dass die Verwaltung derzeit keine Daten darüber erhebt, welche sozialen Gruppen die Bildungsangebote tatsächlich nutzen. Auch Erkenntnisse darüber, ob Familien aufgrund von Teilnahmegebühren auf Angebote verzichten, liegen nicht vor. Eine belastbare Bewertung der sozialen Reichweite sei deshalb derzeit nicht möglich.

Das Bezirksamt verweist allerdings darauf, dass der Eintritt in das Wildgehege weiterhin kostenlos bleibt und die schulischen Bildungsangebote ebenfalls kostenfrei angeboten werden. Zudem wurde inzwischen entschieden, künftig nur noch bei Veranstaltungen mit externen Experten Teilnahmeentgelte zu erheben. Führungen durch eigenes Personal sollen grundsätzlich kostenlos bleiben. Außerdem sollen externe Mittel eingeworben werden, um auch Menschen ohne prallen Geldbeutel die Teilnahme ermöglichen zu können.

Damit steht das Wildgehege Klövensteen vor einer Herausforderung, die viele öffentliche Bildungseinrichtungen kennen: Einerseits sollen hochwertige Angebote entwickelt werden, andererseits dürfen finanzielle Hürden den Zugang nicht erschweren. Die Diskussion um die „exklusive“ Rothirsch-Führung macht deutlich, wie sensibel dieses Thema ist.

Unstrittig bleibt jedoch die Bedeutung des Wildgeheges als Bildungsstandort. Ob bei einer Vogelführung, einer Schulrallye oder einer Entdeckungstour durch den Wald – für viele Kinder beginnt hier die erste Begegnung mit Natur- und Artenschutz. Genau deshalb dürfte die Frage, wie offen und zugänglich diese Angebote künftig bleiben, die Verantwortlichen noch länger beschäftigen.