Rissen (16. Juni 2026, Markus Krohn) · Ein Spaziergang mit der Familie durch den Wald, ein paar Wildtiere am Rand des Weges und vielfältiges Vogelgezwitscher um einen herum – die Sonne scheint und die Wildschweine grunzen um die Wette, während sie sich vergnüglich im Schlamm wälzen – so sieht ein perfekter Wochenend-Familientag in den Elbvororten aus. Außerhalb des Wildparks gab es in der Vergangenheit viele Diskussionen, die diese Idylle fast zunichte machten – doch nach einer scheinbar nicht enden wollenden führungslosten Zeit gibt es nun endlich den ersehnten Neustart. Ein ungewöhnliches Duo tritt an, um das Wildgehege in die Zukunft zu führen. Was erwartet die Besucher und warum könnte gerade dieses junge Gespann die lang ersehnte Rettung sein?
Das Wildgehege Klövensteen ist wieder besetzt – und das gleich doppelt. Nach einer quälend langen Vakanz an der Spitze übernehmen Lena Garbrecht (26) und Jonas Bayer (27) ab sofort gemeinsam die Leitung in Teilzeit. Dass der Chefsessel so lange leer blieb, war kein Zufall: In den vergangenen Monaten und Jahren wurde das Wildgehege oft unfreiwillig zum Schauplatz hitziger Auseinandersetzungen. Ein massiver Streit um das Zukunftskonzept, lautstarke Kritik von Bürgerinitiativen rund um Millioneninvestitionen und den Naturspielplatz sowie unvorhergesehene witterungsbedingte Schließungen machten den Park zu einem hochpolitischen Pulverfass. Für die meisten etablierten Kandidaten war dieser Posten schlichtweg zu unruhig. Wer will schon eine Einrichtung leiten, die scheinbar nicht mehr aus den Schlagzeilen herauskommt?
Aber woher kommen die beiden neuen Gesichter, und ist ein derart junges Team der richtige Weg aus dieser tiefen Krise? Die Antwort lautet: Ja, denn beide bringen genau die Eigenschaften mit, die der wild gewordene Karren jetzt braucht. Lena Garbrecht, von Haus aus Geographin mit Schwerpunkt auf forst- und wildbiologischen Themen, ist keine Unbekannte auf dem Gelände. Nach einem Praktikum ist sie als studentische Hilfskraft bereits seit 2025 in der Abteilung Forst aktiv. Sie kennt das direkte Tagesgeschäft der Tierpflege, die internen Abläufe und hat bereits Projekte vor Ort begleitet.
Jonas Bayer stützt diese praktische Expertise von einer völlig anderen Flanke. Neben seinem laufenden Jurastudium und einem Juniorstudium der Biologie hat der 27-Jährige sich bereits stark auf dem politischen und rechtlichen Parkett bewegt. Er war Mitarbeiter in der Hamburgischen Bürgerschaft sowie im Deutschen Bundestag und beriet Bundesminister, Unternehmen und zoologische Einrichtungen.
Diese Kombination verdeutlicht, warum dieses junge Gespann so ein großer Gewinn ist. Sie sind unbelastet von den festgefahrenen Grabenkämpfen der Vergangenheit. Garbrecht bringt die tiefe Verbundenheit zum Park und das Verständnis für das Tierwohl mit, während Bayer die Werkzeuge besitzt, um die juristisch und politisch heikle Umstrukturierung im Rahmen des Zukunftskonzeptes professionell zu moderieren und Widerstände aufzulösen.
Dementsprechend erleichtert zeigt sich auch Dr. Sebastian Kloth, Bezirksamtsleiter Altona: „Mit der neuen Doppelspitze setzen wir auf die gebündelte Kompetenz und Erfahrung unserer beiden neuen Leitungskräfte. Mit Lena Garbrecht rückt eine Person an die Spitze, die bereits die Abläufe kennt. Jonas Bayer wird hingegen frische Impulse von außen bringen. Ich freue mich über die paritätische Besetzung und bin zuversichtlich, dass wir das Wildgehege mit diesem jung-dynamischen Gespann weiter fit für die Zukunft machen.“
Auch die neuen Leiter haben genaue Vorstellungen von ihrer Mammutaufgabe. Lena Garbrecht betont dabei den besonderen Wert der Naturvermittlung: „Für mich ist das Wildgehege ein ganz besonderer Ort. Es bietet den Menschen aus Hamburg und der Region die Möglichkeit, Natur unmittelbar zu erleben, zur Ruhe zu kommen und gleichzeitig Neues zu lernen. Das vielfältige Umweltbildungsangebot eröffnet Besuchern jeden Alters umfassende Einblicke in die heimische Tierwelt und ihre Lebensräume und bietet dadurch die Möglichkeit, ein besseres Verständnis für ökologische Zusammenhänge zu entwickeln. Dass hier Erholung, Bildung sowie Natur- und Artenschutz so eng miteinander verbunden werden, macht den besonderen Wert des Wildgeheges aus.“
Jonas Bayer richtet seinen Blick stark auf die strukturellen Hürden, die nun bewältigt werden müssen: „Der Wildpark befindet sich inmitten einer Umstrukturierung – und ich möchte dazu beitragen, dass alles reibungslos läuft. Darüber hinaus freue ich mich, meine umfassende Erfahrung aus Zoologie, Recht und Politik in die Optimierung von Prozessen und die Weiterentwicklung des Parks einfließen lassen zu können. Denn: Die Besucher sollen hier Natur auf eine in Hamburg einzigartige Weise erleben können. Wir haben einen wichtigen Auftrag zu Bildung, Forschung und Artenschutz. Dabei wird das Tierwohl immer an erster Stelle stehen.“
Wenn Anfang Juli die Uhuvoliere eingeweiht wird und die Kläranlage mit den Besuchertoiletten auf den Weg gebracht wird, ist das Wildgehege umfassend saniert und für die nächsten Jahrzehnte gerüstet, um für Familien so attraktiv wie eh und je zu sein und für die Tiere ein sicherer artgerechter Lebensort. Eine wichtige Aufgabe wird für das neue Leitungsteam aber bleiben: Solange es keinen eigenen Etat für das Wildgehege gibt, wirft die laufende Finanzierung des Betriebes Fragen auch für die Mitarbeitenden in Rissen auf. Da der Eintritt in das Wildgehege grundsätzlich kostenlos ist und bleiben soll, generiert das Wildgehege einen großen Teil der Einnahmen durch Veranstaltungen, für die Eintrittsgelder verlangt werden. Auch das war und ist immer wieder ein Kritikpunkt.
Das neue Team wird sich jetzt intensiv mit den Mitarbeitern einarbeiten, bevor es daran geht, die von der Bezirksversammlung beschlossenen Maßnahmen des Zukunftskonzeptes abzuschließen. Das Wildgehege hat damit die besten Chancen, wieder durch Naturerlebnisse aufzufallen – und nicht durch Schlagzeilen.





















