Rissen (2. Juli 2026, Markus Krohn) · Majestätisch breiten sie ihre lautlosen Schwingen aus und gleiten elegant durch die Lüfte. Wer den größten Beutegreifern unserer Wälder schon immer einmal ohne störende Gitterstäbe direkt in die leuchtend orangenen Augen schauen wollte, bekommt nun eine einmalige Gelegenheit dazu. Nach vierjähriger Wartezeit lockt eine spektakuläre, neue Anlage, die nicht nur echte Naturfreunde ins Schwärmen bringt, sondern auch alte Streitigkeiten um Baugeldfragen in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt. Ein Besuch verspricht unvergessliche Gänsehautmomente.

Das Leittier des Wildparks hat endlich wieder ein zeitgemäßes Reich. Nachdem die alte Uhu-Anlage aus dem Jahr 2002 im Februar 2022 wegen schwerer Sturmschäden als nicht mehr verkehrssicher eingestuft und geschlossen werden musste, wurde am Mittwoch die neue, rund 600 Quadratmeter große Voliere offiziell eröffnet. Sie ist damit doppelt so groß wie das Vorgänger-Terrain und schmiegt sich harmonisch in die Waldstruktur des Forsts ein.

Toll: Besucher des Wildgeheges gelangen durch eine natürlich gestaltete Schleuse mitten in das Gehege – und erleben die Uhus zum Greifen nah. Wer Bedenken hatte, die wilden Vögel könnten durch die plötzliche Nähe zum Menschen gestresst reagieren, wurde schnell eines Besseren belehrt. Die Uhus flogen ohne Fluchtreflexe zu zeigen um die Besucher herum. Rückzugsräume in der Voliere gewährleisten zudem, dass sich die Tiere dem Trubel jederzeit entziehen können. Die neue Gestaltung bietet einen noch besseren Blick auf die Tiere, die man nicht mehr lange suchen muss.

Der gelungene Neubau liefert gleichzeitig die passende Antwort auf kritische Medienberichte der jüngeren Vergangenheit. Mehrfach hagelte es harsche Kritik am Umbau des gesamten Wildgeheges und an der Transparenz der Kosten. Zumindest beim Uhu-Projekt kann nun handfest gegengehalten werden: Mit Gesamtkosten von rund 340.000 Euro blieben die Ausgaben am Ende sogar knapp 30.000 Euro unter den ursprünglich veranschlagten Planungskosten.

Möglich wurde das einerseits durch Spendengelder in Höhe von 125.000 Euro, welche die Irmgard Greve Stiftung über den Förderverein Klövensteen zur Verfügung stellte. Andererseits packten die Forstarbeiter selbst kräftig mit an: Sie schichteten eigenhändig den imposanten Steinwall im Hintergrund der Anlage auf und setzten die Pflanzen. Bemerkenswert ist dabei die Herkunft des Baumaterials: Die verwendeten Felsbrocken stammen aus der Uferbefestigung der Elbe in Altona und wurden bereits vor Jahren vorausschauend auf dem Gelände gelagert, bis sie nun ihre perfekte Bestimmung fanden.

Uhus sind von Natur aus dämmerungs- und nachtaktive Tiere. In Gefangenschaft (etwa in Falknereien oder Zoos) passen sie sich dem Tagesrhythmus ihrer Umgebung an. Dennoch verhalten sie sich tagsüber meist typisch. Foto: Markus Krohn

 

Mit der neuen Uhu-Voliere setzen wir ein starkes Zeichen für den Natur- und Artenschutz in Hamburg“, betonte Bezirksamtsleiter Dr. Sebastian Kloth. Auch die Arbeitsbedingungen für die Tierpfleger haben sich durch die Modernisierung erheblich verbessert. Die Anlage bietet modernen Schutz vor Krankheiten und beherbergt aktuell drei Eulen unterschiedlichen Alters: „Rita“, „Babsi“ und „Rufus“.

Dass die heute in Altona lebende Uhu-Population auf ein Auswilderungsprojekt der 1990er Jahre zurückgeht, zeigt den historischen Wert der Zucht. Für die Zukunft ist zwar momentan vorgesehen, dass die drei aktuellen Bewohner die letzten ihrer Art im Wildpark Klövensteen sein sollen. Da sie in menschlicher Obhut jedoch ein stolzes Alter erreichen, werden sie das Bild des Geheges noch viele Jahre prägen. Und wer weiß, womöglich hält die Natur noch Überraschungen bereit: Rein theoretisch könnte es in diesem Gehege auch noch zu Nachwuchs kommen. Langfristig soll die Voliere dann flexibel für andere Tierarten genutzt werden können.

Mit der neuen Anlage weht spürbar frischer Wind durch den Forst. Sichtbar wurde dies auch beim Personal: Bezirksamtsleiter Dr. Kloth hieß bei der Eröffnung die beiden neuen Leiter des Wildparks, Jonas Bayer und Lena Garbrecht, offiziell willkommen. Die beiden arbeiten seit Mitte Juni in Teilzeit; Garbrecht möchte sich überdies hinaus noch zur Forstwirtin weiterbilden. Unterstützt von Förster Nils Fischer, der den beiden in der Anfangsphase zur Seite steht, gehen die „Neuen“ hochmotiviert ans Werk. Sie wollen das sanierte Wildgehege in eine erfolgreiche Zukunft überführen – und mit der neuen Uhu-Voliere ist der erste große Schritt bereits getan.

 


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