Altona (5. November 2026, Markus Krohn) · Zehn Jahre lang hat sich die Altonaer Innenstadt an einem Novembertag in eine einzige große Einsatzstelle verwandelt. Am Sonntag, 8. November, wird daraus ein runder Geburtstag – und hinter dem Festprogramm steht eine Frage, die viele Besucher bisher nicht gestellt haben.
Von 13 bis 18 Uhr zieht sich die „Blaue Meile“ in diesem Jahr rund um die Neue Große Bergstraße, den Goetheplatz, den Bahnhof Altona und die Ottenser Hauptstraße. Wer dort zwischen Einsatzfahrzeugen, Informationsständen und Mitmachangeboten unterwegs ist, trifft auf Feuerwehr und Polizei, auf Rettungsdienste, die Bundespolizei und das Polizeikommissariat 21, dazu auf Hilfsorganisationen und eine lange Reihe ehrenamtlicher Initiativen. Das Mercado und die Werbegemeinschaft tragen die Veranstaltung von der ersten Auflage an, ebenso IKEA-Altona und MediaMarkt Altona. Auch der verkaufsoffene Sonntag gehört zum Tag – die Geschäfte im Herzen Altonas haben geöffnet, das Mercado eingeschlossen.
Für viele Familien ist der Weg ohnehin gesetzt: Die Teddyklinik von Studierenden des UKE und des Altonaer Krankenhauses wartet auf Kuscheltiere mit Verletzungen, Rettungshunde sind zu erleben, die Drohnenstaffel des DRK zeigt, wie Aufklärung aus der Luft funktioniert, und beim Jugendkunsthaus Esche lässt sich sprühen. Wer es maritim mag, baut mit dem Museumshafen Övelgönne kleine Boote und übt Seemannsknoten. Dass die „Notruf Hafenkante“ wieder mit von der Partie ist, dürfte die längste Schlange des Tages produzieren: Fabian Harloff hat fest zugesagt, Rhea Harder-Vennewald und Tino Führer kommen ebenfalls. Um 15 Uhr stehen sie im gemeinsamen Zelt von Bundespolizei und PK 21 für Autogramme bereit – und wer dort nicht nur unterschreiben lässt, kann mehr mitnehmen als ein Autogramm, denn während der Stunde werden zwei Meet & Greets am Set verlost. Um 18 Uhr setzt der große Laternenumzug vom Goetheplatz aus den Schlusspunkt unter den Jubiläumstag.
So weit das Programm. Der eigentliche Anlass liegt für die Organisatoren aber tiefer: Hinter den Fahrzeugen, den Zelten und den freundlichen Gesichtern steckt Arbeit, die unter schwierigen Bedingungen geleistet wird. Knappe Mittel, wachsender organisatorischer Aufwand, steigende Anforderungen – die Hilfs- und Ehrenamtsorganisationen kennen diese Melange aus dem Alltag, nicht nur aus Sonntagsreden. Der Blaulicht- und Ehrenamtstag will deshalb nicht allein unterhalten, sondern sichtbar machen, wertschätzen und unterstützen.
Dass die Lage angespannt ist, lässt sich mit Zahlen belegen: Die Feuerwehr Hamburg zählte 2025 insgesamt 333.394 Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst, während sich die Zahl der Großbrände erhöhte – und die Freiwilligen Feuerwehren, die 2025 auf 10.720 Alarmierungen kamen, gelten in den Jahresberichten weiterhin als unverzichtbare Stütze. In den Einsatzabteilungen, Jugend- und Minifeuerwehren, Musikzügen und Ehrenabteilungen engagieren sich 5.561 Mitglieder. Bei den Hamburger Maltesern fuhren die Rettungsteams im vergangenen Jahr 18.389 Einsätze. Zugleich warnen ASB, DLRG, DRK, Johanniter und Malteser gemeinsam davor, dass eine Deckelung der Vergütungssteigerungen in der gesetzlichen Krankenversicherung den Rettungsdienst strukturell unterfinanzieren würde; tarifliche Lohnerhöhungen könnten dann nicht mehr vollständig refinanziert werden. Der DRK-Landesverband Hamburg fordert in einem Positionspapier zum Bevölkerungsschutz unter anderem, den Anteil des Landeshaushalts für diesen Bereich deutlich zu erhöhen und die rechtliche Gleichstellung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte mit denen von THW und Feuerwehr endlich umzusetzen. Bei der Feuerwehr Hamburg geht es um eine Haushaltslücke in Millionenhöhe und um Ausbildungslehrgänge, die für 2027 und 2028 kaum oder nur reduziert geplant sind – Rückmeldungen aus der Belegschaft sprechen von wachsender Belastung und sinkender Motivation beim Nachwuchs.
Genau an dieser Stelle bekommt der Sonntag seine zweite Ebene. Er ist Erlebnistag und Leistungsschau in einem, und er ist die seltene Gelegenheit, die Menschen hinter den Strukturen direkt zu fragen, was sie brauchen. Wer am Goetheplatz oder in der Ottenser Hauptstraße an einem Stand stehen bleibt, erfährt mehr über den Unterschied zwischen einer Einsatzübung und einem Einsatz um vier Uhr morgens, zwischen ehrenamtlicher Bereitschaft und bezahlter Schicht. Vielleicht ist das der beste Grund, an diesem Jubiläumssonntag einmal nicht nur den Fahrzeugen zuzusehen.


















