Blankenese (24. September 2026, Konrad Matzen) · Ein Handy, das plötzlich nicht mehr klingelt, ein Passwort, das niemand mehr findet, ein Anruf, der die Nerven blank legt — und dann sitzt da ein Fünfzehnjähriger und löst das Problem in fünf Minuten. Was in Blankenese längst Routine ist, beginnt gerade erst richtig Fahrt aufzunehmen.

Immer wieder donnerstags verwandelt sich das Marion-Dönhoff-Gymnasium am Willhöden 74 in eine Anlaufstelle für alle, die mit ihrem Gerät nicht mehr weiterkommen. Das Projekt TechTandem, ersonnen von den beiden Lehrkräften Christiane Wacke und Felix Stuppmann, schickt einen neunten Jahrgang in die Offensive gegen zwei Probleme, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Einsamkeit im Alter und Unsicherheit im Netz. Ein Team von Schülerinnen und Schülern kümmert sich um sämtliche Belange rund um Smartphone und Tablet – von der ersten Einrichtung bis zur Frage, welcher Link besser ungelesen bleibt. Wer teilnehmen möchte, bringt sein eigenes Gerät mit, bezahlen muss niemand, und der Zugang zum Schulgebäude ist barrierefrei. Zwanzig Plätze stehen pro Termin zur Verfügung, eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht.

Wer jetzt denkt, das sei eine Randerscheinung, irrt. In Deutschland nutzen inzwischen rund drei Viertel der Menschen ab 65 Jahren das Internet, vor fünf Jahren war es nicht einmal die Hälfte, das zeigen Zahlen zur Internetnutzung aus einer Bitkom-Erhebung vom Januar 2026. Doch zwischen Besitz und Beherrschung liegt mitunter ein weiter Weg: Von den Über-80-Jährigen ist etwa die Hälfte offline, ein erheblicher Teil aus Furcht vor Viren, Betrug und Datenklau. Genau in dieser Lücke stehen die Betrüger. Falsche Polizisten, Schockanrufe, der klassische Enkeltrick – das Bundeskriminalamt verzeichnet hier seit Jahren steigende Schäden. Wer die Masche kennt, tappt seltener hinein. Und wer weiß, wie er sein Gerät sperrt, absichert und aktualisiert, ist gleich doppelt im Vorteil.

Dass ausgerechnet Jugendliche den Schlüssel liefern, hat Methode. Die Hemmschwelle ist niedrig, wenn kein Lehrer über die Schulter schaut, sondern jemand, der in derselben Sprache spricht wie das Gerät selbst. Für die Neuntklässler ist es Alltag, für die älteren Gäste oft ein kleines Abenteuer – und beide Seiten nehmen etwas mit. Wacke und Stuppmann beschreiben das Projekt als generationsübergreifend im besten Sinne: Die Jugendlichen engagieren sich gegen Einsamkeit, die Älteren gegen den digitalen Anschlussverlust, und am Ende sitzen sie gemeinsam am Tisch. Die Runde bleibt bewusst klein, damit wirklich jeder seine Frage loswerden kann.

Anmelden kann man sich von Montag bis Freitag unter der Nummer (0 40) 4 28 93 4 20 oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.. Die nächsten Sprechstunden finden am 15. Oktober um 10 Uhr sowie am 19. November und am 10. Dezember jeweils zwischen 14 und 15:30 Uhr statt, weitere Termine sind bereits in Planung. Wer sich unsicher ist, ob sein Anliegen überhaupt hierher gehört, sollte einfach anrufen – die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ein Fünfzehnjähriger dafür eine Lösung hat.